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Vilhelm Kyhn ist kein Name, der außerhalb Dänemarks besonders geläufig wäre – und selbst innerhalb der dänischen Kunstgeschichte steht er meist im Schatten strahlenderer Zeitgenossen wie Christen Købke oder Constantin Hansen. Dabei wäre es ungerecht, sein Werk als bloßes Beiwerk einer großen Epoche abzutun, denn es besitzt eine eigene, unverwechselbare Qualität, die bei näherer Beschäftigung nachhaltig beeindruckt.

Geboren 1819 in Kopenhagen, erhielt Kyhn seine Ausbildung an der Königlich Dänischen Kunstakademie, wo er in den Ausläufern jener Goldenen Ära heranwuchs, die die dänische Malerei des frühen 19. Jahrhunderts zu europäischem Rang erhoben hatte. Die Prinzipien dieser Schule – direkte Naturbeobachtung, kompositorische Klarheit, Ehrlichkeit gegenüber dem Motiv – nahm er in sich auf und blieb ihnen zeitlebens verpflichtet, auch als die Kunstwelt um ihn herum sich veränderte und neue Strömungen an Einfluss gewannen. Diese Beständigkeit war zugleich seine Stärke und seine Grenze: Sie sicherte seinem Werk eine Verlässlichkeit und handwerkliche Solidität, die es von modischen Schwankungen unabhängig machte, verhinderte aber auch jene radikale Erneuerung, die manchen seiner Zeitgenossen zu größerer kunsthistorischer Prominenz verhalf.

Was Kyhns Schaffen in besonderer Weise auszeichnet, ist seine unerschöpfliche Zuneigung zur dänischen Landschaft in ihrer ganzen stillen Vielfalt. Die Heiden Jütlands, die Buchenwälder der dänischen Inseln, die flachen Küstenstriche Seelands, kleine Dorfansichten im Abendlicht, einsame Bäume an Feldwegen im Herbst – all das findet sich in seinem Werk, behandelt mit einer Aufmerksamkeit und Geduld, die verrät, dass er diese Landschaft nicht nur malte, sondern liebte. Besonders seine Darstellungen der jütländischen Heide gehören zum Charakteristischsten seines Schaffens: In ihnen verbinden sich Weite, Einsamkeit und ein eigentümlich nordisches Licht zu Bildern, die in ihrer unaufdringlichen Schönheit lange nachwirken.

Stilistisch bewegt sich Kyhn in jenem produktiven Zwischenbereich zwischen der klassischen Tradition der Goldenen Ära und einem zunehmend atmosphärisch verdichteten Naturempfinden, das seinen späteren Werken eine stimmungshafte Qualität verleiht, die über bloße Naturdokumentation hinausgeht. Seine Farbgebung ist zurückgenommen und tonal abgestimmt, sein Pinselstrich sorgfältig und dabei zunehmend freier, seine Kompositionen offen und luftig. Was seinen Bildern vielleicht am stärksten eignet, ist eine Art stiller Würde, mit der er seinen Motiven begegnet – keine Sentimentalität, keine romantische Überhöhung, aber auch keine kühle Distanz, sondern eine ehrliche, zugewandte Haltung gegenüber der Natur, die seinen Werken etwas Verlässliches und Aufrichtiges gibt.

Zu Lebzeiten war Kyhn im dänischen Kunstbetrieb fest verankert, stellte regelmäßig aus und genoss Anerkennung als Lehrer, der mehrere Generationen dänischer Maler prägte. Die große internationale Karriere blieb ihm fern, doch innerhalb Dänemarks hatte er einen festen, respektierten Platz. Er starb 1903 im hohen Alter von dreiundachtzig Jahren, ein langes Künstlerleben hinter sich, das der dänischen Landschaft mit bemerkenswerter Beharrlichkeit und aufrichtiger Zuneigung gewidmet war. Heute wird Vilhelm Kyhn als solider und feinsinniger Vertreter der dänischen Landschaftsmalerei der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschätzt, dessen Werk in seiner stillen Ehrlichkeit und atmosphärischen Qualität einen eigenständigen und bereichernden Beitrag zur Geschichte der nordeuropäischen Malerei darstellt.

Kunstdrucke von Vilhelm Kyhn