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Orange 1923

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Quadrat im Nebel 1932

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Zartes Gemüt (Delicate Soul)

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Kunstdrucke von Der Blaue Reiter

Sammlung: Kunstdrucke von Der Blaue Reiter

Der Blaue Reiter war eine der bedeutendsten und folgenreichsten Künstlervereinigungen der europäischen Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert – keine straff organisierte Gruppe mit einheitlichem Programm, sondern ein offenes, von gemeinsamen Überzeugungen und gegenseitiger Begeisterung zusammengehaltenes Netzwerk von Künstlern, das in seiner kurzen Existenz zwischen 1911 und 1914 einen Beitrag zur Entwicklung der modernen Kunst leistete, dessen Wirkung weit über seine Entstehungszeit hinausreichte und die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägte.

Der Blaue Reiter entstand aus einem Konflikt. Als Wassily Kandinsky und Franz Marc Ende 1911 mit der Jury der Neuen Künstlervereinigung München über die Aufnahme von Kandinskys Komposition V in die Jahresausstellung in Streit gerieten und das Werk abgelehnt wurde, zogen beide Künstler ihre Konsequenzen und organisierten innerhalb weniger Tage eine eigene Gegenausstellung in der Galerie Thannhauser, die im Dezember 1911 eröffnete. Diese erste Ausstellung des Blauen Reiters zeigte neben Kandinsky und Marc Werke von August Macke, Heinrich Campendonk, dem Komponisten Arnold Schönberg und anderen und machte schlagartig deutlich, dass hier eine neue, von akademischen Zwängen befreite künstlerische Haltung Gestalt annahm, die das Innere über das Äußere, das Geistige über das Dekorative und die emotionale Wirkung über die handwerkliche Konvention stellte.

Was den Blauen Reiter von anderen Avantgardebewegungen seiner Zeit unterschied, war die Breite seines kulturellen Horizonts und die Offenheit seiner ästhetischen Überzeugungen. Während die Brücke in Dresden eine programmatische Einheitlichkeit des Stils anstrebte, versammelte der Blaue Reiter Künstler von sehr unterschiedlicher Handschrift und Herkunft unter einem gemeinsamen geistigen Dach. Kandinsky und Marc, die eigentlichen Motoren der Bewegung, teilten die Überzeugung, dass Kunst nicht die äußere Erscheinung der Dinge, sondern ihr inneres Wesen sichtbar machen müsse – dass Farbe, Form und Linie eigenständige geistige Energien seien, die unmittelbar auf die Seele des Betrachters wirken könnten. Diese Überzeugung schloss jedoch sehr unterschiedliche malerische Wege ein: Kandinskys zunehmende Abstraktion, Marcs leuchtende Tierbilder, Mackes farbenfrohe Stadtszenen und Paul Klees poetisch-verspielter Surrealismus fanden alle unter diesem Dach Platz.

Ein zentrales Dokument der Bewegung war der Almanach „Der Blaue Reiter", den Kandinsky und Marc 1912 herausgaben und der zu einem der wichtigsten kunsttheoretischen Texte der Moderne wurde. In ihm versammelten die Herausgeber nicht nur Werke der beteiligten Künstler, sondern stellten diese bewusst in einen erweiterten kulturellen Kontext: mittelalterliche Volkskunst, japanische Holzschnitte, afrikanische Masken, Kinderzeichnungen und die Noten zeitgenössischer Komponisten wie Schönberg und Berg wurden neben den Gemälden der Gruppe abgedruckt, um zu zeigen, dass die geistige Kraft des Ausdrucks nicht an Stil, Epoche oder kulturelle Herkunft gebunden ist. Diese kulturelle Weitsicht macht den Almanach zu einem Dokument, das weit über seinen unmittelbaren historischen Kontext hinausweist.

Der Erste Weltkrieg beendete den Blauen Reiter abrupt und mit einer Brutalität, die seinen Verlust für die Kunstgeschichte besonders schmerzlich macht. Franz Marc und August Macke fielen bereits in den ersten Kriegsmonaten, Kandinsky musste als russischer Staatsbürger Deutschland verlassen, und die lebendige Münchner Avantgardeszene, aus der die Bewegung hervorgegangen war, zerstreute sich unwiederbringlich. Was blieb, war ein Werk von außerordentlicher Dichte und Wirkungskraft, das in seiner kurzen Entstehungszeit die Grundlagen für zentrale Entwicklungen der modernen Kunst gelegt hatte. Heute gilt der Blaue Reiter als eine der Schlüsselformationen der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, dessen Werke in den bedeutendsten Museen der Welt vertreten sind und dessen geistiges Erbe in der abstrakten Malerei, im Expressionismus und in der Idee einer spirituell fundierten Kunst bis heute lebendig ist.