Jean-François Millet war ein französischer Maler des 19. Jahrhunderts und zählt zu den zentralen Vertretern des Realismus. Bekannt wurde er vor allem durch seine Darstellungen des ländlichen Lebens, in denen Bauern und Feldarbeiter im Mittelpunkt stehen. Millet interessierte sich weniger für historische oder mythologische Themen als für die alltägliche Arbeit auf dem Land, die er mit Ernst und Würde darstellte.
Millet wurde 1814 in Gruchy in der Normandie geboren und wuchs als Sohn einer Bauernfamilie auf. Die Erfahrungen seiner Kindheit prägten sein späteres Werk nachhaltig. Früh zeigte sich sein zeichnerisches Talent, das ihm ein Kunststudium ermöglichte. In den 1830er-Jahren ging er nach Paris, wo er an der École des Beaux-Arts studierte. Dort setzte er sich mit der akademischen Malerei auseinander, fand jedoch bald keinen Zugang zu deren idealisierten Bildthemen und formalen Konventionen.
Nach anfänglichen Versuchen in der Porträt- und Historienmalerei wandte sich Millet zunehmend der Darstellung bäuerlicher Arbeit zu. In den 1840er- und 1850er-Jahren entstanden jene Werke, für die er heute bekannt ist: Szenen des Säens, Erntens oder Sammelns von Ähren. Bilder wie Die Ährenleserinnen oder Der Sämann zeigen einfache Tätigkeiten, jedoch ohne sentimentale Verklärung. Die Figuren wirken schwer, ruhig und fest mit dem Boden verbunden, den sie bearbeiten. Millets Interesse galt weniger dem individuellen Porträt als der allgemeinen Lebenssituation der Landbevölkerung.
1849 ließ sich Millet im Dorf Barbizon nahe dem Wald von Fontainebleau nieder. Dort schloss er sich einem Kreis von Künstlern an, die später als Schule von Barbizon bekannt wurden. In dieser Umgebung entwickelte er seine Bildsprache weiter: Die Landschaft tritt bei ihm meist zurück und dient als einfacher, stabiler Rahmen für die menschliche Arbeit. Farbigkeit und Komposition sind zurückhaltend, die Formen klar und verständlich. Dramatik entsteht nicht durch Bewegung, sondern durch die Schwere und Wiederholung der Arbeit selbst.
Millets Werke wurden von Zeitgenossen oft kritisch aufgenommen. Manche Betrachter sahen in seinen Bildern eine politische Aussage oder empfanden die Darstellungen der Bauern als zu düster und unerquicklich. Tatsächlich verstand Millet seine Kunst jedoch weniger als gesellschaftliche Anklage denn als Ausdruck von Respekt gegenüber einer Lebensform, die er aus eigener Erfahrung kannte. Der harte Alltag der Landarbeit erscheint bei ihm nicht heroisch, aber auch nicht karikierend – vielmehr sachlich und ernsthaft.
Jean-François Millet starb 1875 in Barbizon. Sein Einfluss auf die Kunstgeschichte ist dennoch beträchtlich. Spätere Künstler wie Vincent van Gogh bezogen sich ausdrücklich auf seine Werke. Heute gilt Millet als ein Maler, der der einfachen Arbeit und dem ländlichen Leben einen festen Platz in der Kunst verschaffte. Seine Bilder zeichnen sich durch Klarheit, Ruhe und menschliche Nähe aus und sind gerade deshalb bis heute gut nachvollziehbar.