Franz Marc war ein deutscher Maler und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Expressionismus und als Mitbegründer der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter", einer der folgenreichsten Vereinigungen der europäischen Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert. Er wurde 1880 in München geboren und erhielt seine künstlerische Ausbildung an der Münchner Akademie der bildenden Künste, bevor ihn Reisen nach Paris mit der französischen Moderne in Berührung brachten und insbesondere die Begegnung mit dem Werk der Impressionisten, der Fauves und schließlich Robert Delaunays cubistisch-orphistischer Farbtheorie seinen Stil nachhaltig veränderte und auf einen Weg führte, der in der deutschen Malerei ohne Beispiel war.
Marc entwickelte früh eine tiefe, fast mystische Zuneigung zum Tier als Bildthema. Nicht der Mensch, sondern das Tier stand im Mittelpunkt seines Schaffens – nicht als bloßes Motiv oder Staffage, sondern als Träger einer reineren, ursprünglicheren Existenzweise, die Marc dem entfremdeten, von Zivilisation korrumpierten Menschenleben entgegenstellte. Pferde, Rehe, Füchse, Kühe und Vögel bevölkern seine Bilder, dargestellt nicht in naturalistischer Treue, sondern in leuchtenden, symbolisch aufgeladenen Farben, die ihre innere Wesenheit und spirituelle Energie sichtbar machen sollten. Diese Verbindung von Tiermotiv und expressiver Farbsprache wurde zum eigentlichen Kern seiner künstlerischen Botschaft und machte sein Werk von Beginn an unverwechselbar.
Ab 1911 intensivierte sich Marcs künstlerische Entwicklung durch die Gründung des Blauen Reiters gemeinsam mit Wassily Kandinsky, mit dem ihn eine tiefe geistige Verwandtschaft verband. Der gleichnamige Almanach, den beide herausgaben, wurde zu einem der wichtigsten Dokumente der europäischen Avantgarde. Ein zentrales Merkmal von Marcs reifem Werk ist die zunehmende Abstraktion, mit der er seine Tiermotive behandelte. Unter dem Einfluss des Kubismus und Futurismus zerlegte er die Formen seiner Tiere in geometrische Flächen und kristalline Strukturen, ohne dabei die emotionale und spirituelle Intensität seiner Farbgebung aufzugeben. Besonders seine großen Pferdebilder und seine abstrakten Tierdarstellungen der letzten Jahre vor dem Ersten Weltkrieg gehören zu den eindrucksvollsten Leistungen der deutschen Moderne und verdeutlichen seine konsequente Entwicklung hin zu einer Bildsprache, die Form und Farbe als eigenständige, bedeutungstragende Mittel einsetzt.
In seinen letzten Jahren vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs stand Marc an der Schwelle zur vollständigen Abstraktion. Seine späten Werke zeigen eine zunehmende Auflösung der gegenständlichen Form zugunsten reiner Farb- und Formrhythmen, die seine Entwicklung in eine Richtung deuten, die sein früher Tod abrupt beendete. Franz Marc fiel 1916 in der Schlacht von Verdun, gerade sechsunddreißig Jahre alt. Heute gilt er als eine der zentralen Figuren der deutschen Moderne, dessen Werke in den bedeutendsten deutschen Museen vertreten sind und auf dem internationalen Kunstmarkt außerordentlich geschätzt werden, während seine leuchtenden Tierbilder zu den bekanntesten und geliebtesten Ikonen der expressionistischen Malerei gehören und seine früh abgebrochene Entwicklung als einer der großen unvollendeten Wege der europäischen Kunstgeschichte gilt.